2 Gedanken zu „
Am 14.10. war Heidelberg solidarisch vernetzt! Am 25.11. Video-Schau im Karlstorkino

  1. Guten Abend
    ich sehe und höre gerade Ihr heimat gestalten. Schön und gut. Aber Sprache, zentral für Begriff und Gefühl von Heimat, kommt kaum vor. Das erstaunt besonders, wenn man verfolgt, wie wir mit zunehmendem Tempo aus unserer Sprache fliehen und sie ablegen, als sei sie ein unmodernes, unbequemes und schmutziges Kleidungsstück. Die Verdrängung deutscher Wörter geht ungehemmt voran. Es geht hier nicht um die fast immer englischen Ausrücke im Gefolge technisch-kultureller Veränderungen. Es geht allein um den völlig überflüssigen und manchmal geradezu lächerlichen Gebrauch des Englischen, vor allem auch in der qualvollen deutsch-englischen Sprachvermengung, die einem den Magen umdreht. Es gibt geradezu einen Drang, aus einer vermeintlichen Provinzialität auszubrechen und sich gezwungen weltläufig aufzuführen. Dieses eher dümmliche Verhalten führt aber nur dazu, die Menschen aus ihrer Heimat, der Sprache, auszugrenzen. Leider war davon in ihren Videos nicht die Rede.
    Übrigens: Wie kann man Flüchtlingen begreiflich machen, dass sie die deutsche Sprache erlernen müssen, wenn wir selbst sie mit Begeisterung überflüssig machen.
    Gruss
    Wilfried Kratz
    69118 Heidelberg-Ziegelhausen

    1. Danke für diese Antwort auf die Frage „Was ist Heimat für dich?“, die zum Nachdenken anregt! Besonders spannend könnten als Ausgangspunkt die Kurzvideos sein, in denen Gedichtvorträge, vorgetragene Texte aus Sprachkursen bis hin zu einer live-Übersetzung eines Beitrags von einer Sprache in die andere Sprache gezeigt werden. In allen Fällen ist der Umgang mit Sprache mehr als ein instrumenteller Vorgang, der dazu dient, ein eigenes Heimatgefühl in Worte zu fassen, sondern der Umgang mit Sprache zeigt sich bisweilen selbst schon als Teil des eigenen Heimatverständnisses. Man hätte ja auch den Schwerpunkt auf unkommentierte Bilder legen können! Wenn auch nirgends explizit so formuliert, so scheint stattdessen doch den Kurzvideos eines gemeinsam zu sein: Beim Gebrauch von einer oder gar mehreren Sprachen war nirgends der Anspruch formuliert, das eigene Sprachvermögen dem Sprachvermögen eines anderen überzuordnen und anzunehmen, dass der andere seine Antwort auf die ganz persönliche Frage „Was ist Heimat für dich?“ mit seinem Sprachvermögen nicht adäquat formulieren könne. Das schließt den selbstbewussten Umgang mit der eigenen Sprache, wie fremd einem die sie umgebende(n) Sprache(n) auch scheinen mögen, nicht aus, sondern macht die eigene Sprache zu etwas besonderem – vielleicht sogar zu einem Stück liebgewonnene Heimat.
      Es bleibt festzuhalten: Auf andere zugehen zu können, um diesen anderen das eigene Heimatgefühl präsentieren und ein bisschen verständlicher machen zu können, benötigt es Sprache. Stellvertretend dafür an dieser Stelle einen ganz besonderen Dank für den Videobeitrag eines Deutschkurses und an Maria Voß-Merkel zu diesem Themenkomplex.
      Simon Widmann

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